Rettungssanitäter

Ausbildungskompendium Verdano City 2026

RS – Rettungssanitäter NotSan – Notfallsanitäter Arzt – Notarzt

1. Einleitung

Rettungssanitäter (RS) sind die erste medizinische Fachkraft am Einsatzort. Ihre Aufgabe ist es, lebensbedrohliche Zustände zu erkennen, Erste Hilfe und stabilisierende Maßnahmen durchzuführen und Patienten bis zur Übergabe an Notfallsanitäter oder Arzt zu betreuen.

Kernkompetenzen

1
Erkennung lebensbedrohlicher Zustände
2
Durchführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen
3
Sicherung der Vitalfunktionen (Atmung, Kreislauf)
4
Vorbereitung und Assistenz bei erweiterten Maßnahmen
5
Patientenbetreuung und sicherer Transport
6
Dokumentation und strukturierte Übergabe (SBAR-Schema)
🎯 Ziel der Ausbildung: Sicheres, effizientes und rechtlich abgesichertes Handeln im Rettungsdienst.

2. xABCDE-Schema

Das xABCDE-Schema ist ein systematischer Ansatz zur Erstbeurteilung und Behandlung von Notfallpatienten. Es priorisiert lebensbedrohliche Zustände und stellt sicher, dass keine kritischen Befunde übersehen werden.

x
Exsanguination
Massive Blutung / Massenblutung
Beurteilung:
  • Sichtbare massive Blutung?
  • Spritzende arterielle Blutung?
  • Durchnässte Kleidung?
RS-Maßnahmen:
  • Direkter Druck auf Blutungsquelle
  • Druckverband anlegen
  • Bei Extremitätenblutung: Tourniquet
⚠ Warum kritisch?

Massive Blutungen führen innerhalb von Minuten zum Tod durch hypovolämischen Schock.

A
Airway
Atemwegssicherung
Beurteilung:
  • Kann Patient sprechen?
  • Atemgeräusche: Stridor, Schnarchen?
  • Fremdkörper sichtbar?
  • Verletzungen Mund/Rachen?
RS-Maßnahmen:
  • Kopf überstrecken, Kinnlift (Esmarch)
  • Fremdkörper entfernen / Absaugen
  • Guedel-Tubus (ohne Würgereflex)
  • Nasopharyngeal-Tubus (mit Würgereflex)
B
Breathing
Atemfunktion
Beurteilung:
  • Atemfrequenz (AF): Normal 12–20/min
  • Atemtiefe: flach, normal, tief?
  • SpO₂-Messung: Ziel ≥ 95 %
  • Thoraxexkursion symmetrisch?
RS-Maßnahmen:
  • O₂: 4–6 l/min Nasenbrille
  • O₂: 10–15 l/min Reservoirmaske
  • Bei Atemstillstand: BVM-Beatmung
  • SpO₂ kontinuierlich monitoren
C
Circulation
Kreislauffunktion
Beurteilung:
  • Puls tastbar? (A. radialis / A. carotis)
  • Pulsqualität: Frequenz, Rhythmus, Kraft
  • RR messen (Blutdruck)
  • Hautfarbe: blass, zyanotisch, livide?
RS-Maßnahmen:
  • Bei Schock: Schocklage
  • O₂: 4–15 l/min je Klinik
  • i.v.-Zugang vorbereiten
  • Bei Kreislaufstillstand → CPR!
D
Disability
Neurologischer Status
Beurteilung:
  • Bewusstsein: GCS ermitteln
  • Pupillen: Größe, Reaktion, Symmetrie (isokor?)
  • Motorik: Bewegungsfähigkeit der Extremitäten
  • BZ messen bei Bewusstseinsstörung
RS-Maßnahmen:
  • GCS dokumentieren + Zeitpunkt
  • Bei Hypoglykämie: Glucose nach SOP
  • Neurologische Defizite notieren
E
Exposure
Ganzkörperuntersuchung
Beurteilung:
  • Systematisch: Kopf → Fuß
  • Versteckte Verletzungen?
  • Körpertemperatur: Hypothermie?
  • Schmerzlokalisation (NRS 0–10)
RS-Maßnahmen:
  • Kleidung mit Schere entfernen
  • Wärmeerhalt: Rettungsdecke (Folie)
  • Alle Befunde dokumentieren
  • Strukturierte Übergabe vorbereiten
⚠ Wichtig: Das xABCDE-Schema wird bei jedem Patienten von oben nach unten durchgeführt. Lebensbedrohliche Befunde werden sofort behandelt, bevor zum nächsten Schritt übergegangen wird!

3. Anatomie & Physiologie

Herz-Kreislauf-System

KomponenteFunktionKlinische Relevanz
Herz (4 Kammern)Rechts: venöses Blut → Lunge
Links: arterielles Blut → Körper
Herzinfarkt (AMI), Herzrhythmusstörungen (HRS)
ArterienTransport O₂-reiches Blut vom HerzA. radialis (Puls), A. femoralis (Blutung, Zugang)
VenenRücktransport O₂-armes Blut zum HerzV. mediana cubiti (i.v.-Zugang), V. basilica
KapillarenGasaustausch O₂/CO₂; NährstofftransferDurchblutungsstörungen, Schock, Rekapillarisierung
LymphsystemGewebeentwässerung, ImmunabwehrÖdeme, Infektionsgeschehen

Atemwege

AbschnittStrukturenRS-Maßnahmen
Oberer AtemwegNase, Mund, Pharynx (Rachen), Larynx (Kehlkopf)Kopf überstrecken, Kinnlift, Fremdkörper entfernen
Unterer AtemwegTrachea (Luftröhre), Bronchien, Alveolen (Lungenbläschen)O₂-Gabe, BVM-Beatmung, SpO₂-Kontrolle

Wichtige Druckpunkte für die Pulskontrolle

ArterieLokalisationEinsatzbereich
A. radialisHandgelenk, radiale SeiteRoutinekontrolle Puls, RR-Messung
A. carotisHalsseite, neben TracheaBewusstlosigkeit, CPR-Kontrolle
A. femoralisLeistenbeugeSchwerer Schock, zentrale Pulse
A. brachialisEllenbeuge, medialRR-Messung

4. Vitalzeichen – Normalwerte

Referenzwerte für Erwachsene. Abweichungen erfordern sofortige Bewertung!

Atemfrequenz (AF)
12–20/min
Normal: ruhig, regelmäßig
Kritisch: < 8 oder > 30/min
Herzfrequenz / Puls (HF)
60–100/min
Normal: kräftig, regelmäßig
Kritisch: < 40 oder > 140/min
RR systolisch
100–140 mmHg
Optimal: ~120 mmHg
Kritisch: < 90 oder > 180 mmHg
SpO₂ (Sauerstoffsättigung)
≥ 95 %
Normal: 95–100 %
Kritisch: < 90 %
Blutzucker (BZ)
60–120 mg/dl
Nüchtern: 70–100 mg/dl
Kritisch: < 50 oder > 250 mg/dl
Körpertemperatur (KT)
36–37,5 °C
Optimal: 36,5–37,2 °C
Kritisch: < 35 oder > 39 °C
📊 Monitoring: Vitalzeichen bei kritischen Patienten alle 5 Minuten, bei stabilen Patienten alle 15 Minuten kontrollieren und im Einsatzprotokoll dokumentieren.

5. Reanimation (BLS / CPR)

🚨 Frühe Reanimation verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschance! Jede Minute ohne CPR senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 %.

Basic Life Support (BLS) – Ablauf

1
Bewusstsein prüfen: Ansprechen, Schütteln → keine Reaktion
2
Notruf 112: AED / Defibrillator anfordern
3
Atmung prüfen: < 10 Sek • Keine / Schnappatmung = CPR starten!
4
Herzdruckmassage: 30 Kompressionen • Mitte Sternum • 5–6 cm tief • 100–120/min
5
Beatmung: 2 Atemstöße • je ~1 Sek • Thoraxhebung sichtbar
6
Rhythmus 30:2: Fortlaufend • Unterbrechungen < 10 Sek
7
AED einsetzen: Pads kleben • Rhythmusanalyse • Schock wenn indiziert
8
Kontrolle alle 2 min: ROSC? → Puls und Atmung. Kein ROSC → weiter CPR

Qualitätskriterien CPR

KriteriumZielwertWarum wichtig
Kompressionstiefe5–6 cm (Erwachsene)Kritisch für Herzauswurf (HZV)
Kompressionsfrequenz100–120/minOptimaler koronarer Blutfluss
Vollständige Entlastung100 %Herzfüllung (diastolisch) ermöglichen
Unterbrechungen< 10 SekundenDurchblutung aufrecht erhalten
Helferwechselalle 2 MinutenErschöpfungsbedingte Qualitätsminderung vermeiden
Harte UnterlageErforderlichGegendruck für effektive Kompression
⚠ Keine Angst vor Rippenfrakturen! Effektive Kompressionen können Rippen brechen – das Überleben des Patienten hat absolute Priorität. Frakturen heilen, ohne CPR stirbt der Patient.

6. Praktische Fertigkeiten

Venöser Zugang (i.v.-Zugang)

VeneLokalisationEigenschaftenPriorität
V. mediana cubitiEllenbeuge, mittigGrößte, stabilste Vene; gut sicht- und tastbar1. Wahl ✓
V. basilicaEllenbeuge, ulnar (Kleinfingerseite)Gut tastbar, etwas tiefer2. Wahl
V. cephalicaEllenbeuge, radial (Daumenseite)Oft gut sichtbar, Gefahr der Venenspasmen3. Wahl
V. dorsalis manusHandrückenReserve; schmerzhafter, geringerer FlussNotfall

Venenzugang legen – Schritt für Schritt

1
Material bereitlegen: Kanüle 18G (grün), Stauschlauch, Desinfektionsmittel, Pflaster, Tupfer
2
Händedesinfektion (30 Sek. einreiben), Einmalhandschuhe anziehen
3
Punktionsstelle auswählen, Stauschlauch 5–10 cm proximal anlegen
4
Desinfektion der Punktionsstelle (30 Sek. Einwirkzeit!), nicht wieder berühren
5
Vene mit Daumen fixieren, Haut spannen (distal der Punktionsstelle)
6
Kanüle in 30°-Winkel einführen – Blut-Rückfluss in der Kammer abwarten
7
Winkel flacher, Stahlmandrin zurückziehen, Kunststoffkanüle vorschieben
8
Stauschlauch lösen, Mandrin sicher entsorgen (Abwurfbehälter!)
9
Infusionsystem anschließen, Durchfluss kontrollieren, Pflaster fixieren
10
Dokumentation: Uhrzeit, Punktionsstelle, Kanülengröße, Infusion

Blutstillung

BlutungstypErkennungRS-MaßnahmenGefährdung
KapillarSickerblutung, hellrot, langsamDirektdruck, sterile WundauflageGering
VenösKontinuierlich, dunkelrot, fließendDruckverband, HochlagerungVolumenverlust
ArteriellSpritzend, hellrot, pulsierendDirektdruck → Druckverband → TourniquetLebensbedrohlich ⚠
InternSchockzeichen ohne äußere WundeSchocklagerung, schneller Transport, NotSanKritisch 🚨
🚨 TOURNIQUET: Nur bei unkontrollierbarer Extremitätenblutung! 5–7 cm proximal der Blutungsquelle anlegen • Uhrzeit dokumentieren • Sichtbar markieren (z. B. „TQ 14:32") • NIEMALS lösen nach Anlage! Das Lösen kann zu einem tödlichen Rebound-Blutungsschock führen.

7. Medikamente & Therapie

Hinweis: Rettungssanitäter dürfen nur bestimmte Medikamente nach Delegation oder SOP (Standardarbeitsanweisung) verabreichen. Alle anderen Medikamente sind Kompetenz von NotSan oder Arzt. Ohne explizite Anweisung keine Medikamente verabreichen (außer O₂).
Medikament / Wirkstoff Handelsname(n) Gruppe Indikation Dosierung (Erwachsene) Kompetenz Wichtige Hinweise
🫁 Sauerstoff & Infusionslösungen
Sauerstoff (O₂) Medizinisches Gas Hypoxie, Dyspnoe, Trauma, Reanimation 2–15 l/min je nach Applikationssystem RS Immer bei SpO₂ < 95 %. Vorsicht bei COPD (Ziel-SpO₂ 88–92 %)
Kochsalzlösung 0,9 %
(Natriumchlorid, NaCl)
NaCl 0,9 %, Isotone Kochsalzlösung Isotone Infusionslösung Volumenmangel, Schock, Spüllösung, Trägerlösung 250–1000 ml i.v. nach SOP / Delegation RS Nur nach Delegation anlegen. Vorsicht bei Herzinsuffizienz (Hypervolämie-Gefahr)
💊 Schmerzmittel & Antipyretika (Nicht-Opioid-Analgetika / NSAR)
Acetylsalicylsäure (ASS) Aspirin, Dolorgiet, ASS ratiopharm NSAR / Thrombozytenaggregationshemmer Akutes Koronarsyndrom (ACS/STEMI), leichte-mittlere Schmerzen, Fieber 250–500 mg p.o. (kauen!); 100 mg als Dauertherapie RS Hemmt Plättchenaggregation. KI: Magenblutung, ASS-Allergie, Schlaganfall (hämorrhagisch)
Acetylsalicylsäure (ASS) Dolormin (Schmerztabletten-Kombination) NSAR Kopfschmerzen, Migräne, Zahnschmerzen 500–1000 mg p.o. alle 4–6 h (max. 3 g/d) RS OTC-Kombipräparat. Bei Notfallmedikation Einnahme immer dokumentieren
Ibuprofen Ibuprofen-Generika, Nurofen, Dolormin für Männer NSAR (COX-Hemmer) Schmerzen, Entzündung, Fieber 400–800 mg p.o. alle 6–8 h (max. 2400 mg/d) RS Immer mit Mahlzeit. KI: Magenulkus, Nierenschwäche, Herzinsuffizienz, Schwangerschaft 3. Tri.
Metamizol Novalgin, Novaminsulfon Pyrazolon-Analgetikum / Spasmolytikum Starke Schmerzen, Koliken, hohes Fieber 500–1000 mg p.o./i.v. (Tropfen: 500 mg = 20 Tropfen) NotSan Cave: Agranulozytose (seltene Blutbildveränderung). Blutdruckabfall bei i.v.-Gabe möglich. Langsam infundieren
Paracetamol (PCM) Paracetamol-Generika, ben-u-ron, Panadol Analgetikum / Antipyretikum Leichte bis mittlere Schmerzen, Fieber; Alternative bei NSAR-Kontraindikation 500–1000 mg p.o. alle 4–6 h (max. 4 g/d); Kinder: 15 mg/kg RS Cave: Lebertoxizität bei Überdosierung oder Alkoholabusus! Bei Vergiftung → Antidot: N-Acetylcystein (NAC)
🔴 Opioid-Analgetika (Betäubungsmittelpflichtig – BtMVV)
Fentanyl Fentanyl-Janssen, Durogesic (Pflaster), Actiq Starkes Opioid-Analgetikum Starke/stärkste akute Schmerzen (Polytrauma, AMI), Narkoseinduktion/-unterhaltung 0,05–0,1 mg (50–100 µg) i.v./intranasal; Titration unter Monitoring Arzt BtMVV! Atemdepression! Antidot: Naloxon. Engmaschige SpO₂-Überwachung zwingend
Morphin Morphin-HCl, MST Continus (retardiert) Starkes Opioid-Analgetikum Starke Schmerzen, akute Herzinsuffizienz, AMI 2–10 mg i.v. langsam titriert Arzt BtMVV! Cave: Atemdepression, Übelkeit, Hypotonie. Antidot: Naloxon
Piritramid Dipidolor Opioid-Analgetikum Postoperative und akute starke Schmerzen 3,75–7,5 mg i.v. titriert Arzt BtMVV! Weniger Übelkeit als Morphin. Antidot: Naloxon. Atemdepression beachten
Tilidin / Naloxon Valoron N, Tilidin-Generika Opioid-Analgetikum (schwaches Opioid) Mittlere bis starke Schmerzen 50–100 mg p.o. alle 4–6 h (Tropfen: 20 mg = 20 Tropfen) Arzt BtMVV! Enthält Naloxon → verhindert Missbrauch. Cave: Leberfunktionsstörungen
Tramadol Tramal, Tramadol-Generika Schwaches Opioid / Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer Mittlere bis mäßig starke Schmerzen 50–100 mg p.o./i.v. alle 4–6 h (max. 400 mg/d) Arzt Kein BtMVV. Cave: Krampfschwelle ↓ (v. a. bei Kombination mit SSRIs), Serotonin-Syndrom möglich
🟡 Opioid-Antagonist (Antidot)
Naloxon Narcan, Naloxon-Generika Opioid-Antagonist (kompetitiv) Opioidüberdosierung, Atemdepression durch Opioide 0,4–2 mg i.v./i.m./intranasal; ggf. wiederholen nach 2–3 min NotSan Halbwertszeit kürzer als Opioide → Re-Sedierung möglich. Engmaschige Überwachung! Cave: Entzugssyndrom bei Opioidabhängigkeit
💉 Antiallergika & Kortikosteroide
Cetirizin Zyrtec, Cetirizin-Generika, Reactine H₁-Antihistaminikum (2. Generation) Allergische Reaktionen (Urtikaria, Rhinitis), Insektenstiche 10 mg p.o. einmalig oder täglich RS Wenig sedierend. Keine i.v.-Form. Langsamer Wirkungseintritt (0,5–1 h)
Kortison / Prednisolon Decortin, Prednisolon-Generika, Solu-Decortin Glukokortikoid Schwere Allergien, Anaphylaxie, Asthmaanfall, Entzündungsreaktion 25–250 mg i.v. je Schwere; p.o. nach Arztanweisung NotSan Wirkungseintritt verzögert (Minuten–Stunden). Nicht primäre Soforttherapie der Anaphylaxie (→ Epinephrin!)
🦠 Antibiotika (nur nach ärztlicher Verordnung!)
Amoxicillin Amoxicillin-Generika, Amoxypen, Amoxicillin AL Aminopenicillin (Breitspektrum-Antibiotikum) Atemwegsinfektionen, HWI, Scharlach, Otitis media 500–1000 mg p.o. alle 8 h über 5–7 Tage Arzt Häufig allergische Reaktionen. Cave: Penicillin-Allergie! Bei EBV (Pfeiffersches Drüsenfieber) → Exanthem!
Cotrimoxazol
(Trimethoprim + Sulfamethoxazol)
Cotrimoxazol-Generika, Bactrim, Eusaprim Sulfonamid-Kombination Harnwegsinfektionen (HWI), Pneumocystis-Pneumonie 960 mg (1 Tablette DS) p.o. alle 12 h Arzt Cave: Nierenschwäche, Sulfonamid-Allergie. Photosensitivität möglich. Viel trinken
Penicillin V / G Penicillin V-Generika, Isocillin, Penicillin Grünenthal Betalaktam-Antibiotikum (Schmalspektrum) Streptokokken-Angina, Scharlach, Erysipel, Endokarditisprophylaxe 1–2 Mio IE p.o. alle 8 h; G = i.v./i.m. Arzt Cave: Penicillin-Allergie (Kreuzallergie mit Cephalosporinen). Vor Gabe Allergieanamnese!!
🧠 Psychopharmaka (Anxiolytika / Sedativa / Antidepressiva)
Lorazepam Tavor, Lorazepam-Generika Benzodiazepin Akute Angst-/Panikzustände, Status epilepticus, Sedierung 0,5–2,5 mg p.o./s.l./i.v. nach Anweisung Arzt Sedierung, Atemdepression (bei i.v.)! Abhängigkeitspotenzial. Antidot: Flumazenil
Diazepam Diazepam-Generika, Valium, Faustan Benzodiazepin Status epilepticus, Akutbehandlung Krampfanfall, schwere Angst 5–10 mg rektal / i.v. langsam; 2 mg/min i.v. Arzt Atemdepression! Langwirksam (lange HWZ). Antidot: Flumazenil. Vorsicht Kombination mit Alkohol/Opioiden
Sertralin Zoloft, Sertralin-Generika SSRI (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) Depression, Panikstörung, PTBS, Zwangsstörung 25–200 mg p.o. täglich (Dauertherapie) Arzt Kein akutes Analgetikum. Cave: Serotonin-Syndrom bei Kombination mit Tramadol/MAO-Hemmern. Wirkungseintritt nach 2–4 Wochen
Mirtazapin Remeron, Mirtazapin-Generika NaSSA (noradrenerg/spezifisch serotonerges Antidepressivum) Depression, Schlafstörungen, Appetitverlust 15–45 mg p.o. täglich (abends, Dauertherapie) Arzt Starke Sedierung (besonders bei niedriger Dosis). Gewichtszunahme. Keine akute Notfallindikation
🧴 Topische Mittel (Lokale Anwendung auf Haut)
Dimetinden Fenistil Gel H₁-Antihistaminikum (topisch) Insektenstiche, Sonnenbrand, Kontaktallergien, Juckreiz Dünn auftragen 2–4 × täglich auf betroffene Stelle RS Nur äußerlich! Nicht auf offene Wunden. Nicht in der Nähe der Augen
Dexpanthenol Bepanthen Wund- und Heilsalbe Wundheilungsfördernde Substanz (Provitamin B5) Wundheilung, Schürfwunden, Verbrennungen 1. Grades, trockene Haut Dünn auftragen, 1–3 × täglich RS Fördert Epithelneubildung. Nicht auf infizierte Wunden. OTC-Mittel
Diclofenac (topisch) Voltaren Schmerzgel, Diclofenac Schmerzgel Topisches NSAR Lokale Schmerzen: Prellungen, Zerrungen, Gelenkschmerzen 2–4 g Gel auf Hautoberfläche 3–4 × täglich einmassieren RS Systemische Resorption möglich (cave: NSAR-Kontraindikationen bei großflächiger Anwendung). Nicht auf offene Wunden
Diclofenac (topisch) Diclo Schmerzgel Topisches NSAR Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, stumpfe Traumata Wie Voltaren Schmerzgel RS Generikum zu Voltaren. Identischer Wirkstoff
Extrakte (Arnika, Beinwell) Doloplant Schmerzgel Pflanzliches Topikum Prellungen, Zerrungen, Hämatome (stumpfe Traumata) Mehrmals täglich auf betroffene Stelle auftragen RS Pflanzliches Mittel. Cave: Allergie auf Korbblütler (Arnika). Nicht auf offene Wunden
Capsaicin / Methylsalicylat / Harnstoff ABC Wärme-Creme Rubefaziens (Wärmepflaster / -creme) Muskelverspannungen, chronische Rückenschmerzen, Verspannungen Erbsengroße Menge einmassieren 2 × täglich RS Nicht auf verletzte Haut. Hände nach Auftragen waschen! Cave: Augen! Nicht bei akuten Verletzungen (Entzündung ↑)
🩹 Pflaster & Wärmeapplikationen
Wundpflaster Pflaster (Hansaplast, Leukoplast, etc.) Wundabdeckung Kleine Schnittwunden, Schürfwunden, Verbandmaterial Geeignete Größe auswählen, fest andrücken RS Immer sterile Wundauflage verwenden. Kein Pflaster auf nasse/fettige Haut
Capsaicin-Pflaster ABC Wärme-Pflaster Transdermales Rubefaziens Muskelverspannungen, Rückenschmerzen 1 Pflaster auf Haut kleben, max. 8–12 h tragen RS Nicht auf verletzte oder entzündete Haut. Vor Wärme / Sport entfernen. Hände waschen nach Aufkleben
🔵 Magen-Darm-Mittel
Pantoprazol Pantoprazol-Generika, Pantozol, Rifun Protonenpumpeninhibitor (PPI) Magengeschwür, Sodbrennen, GERD, Schutz bei NSAR-Einnahme 20–40 mg p.o. täglich (nüchtern); 40 mg i.v. bei Blutung Arzt Langzeitanwendung: Magnesiummangel, Frakturrisiko ↑, Resorption von Vitamin B12 ↓. Keine akute Notfallindikation für RS
Omeprazol Omeprazol-Generika, Antra MUPS, Nexium (Esomeprazol) Protonenpumpeninhibitor (PPI) Wie Pantoprazol 20–40 mg p.o. täglich Arzt Identische Wirkklasse wie Pantoprazol. Cave: Clopidogrel-Interaktion (CYP2C19)
Dimenhydrinat Vomex A, Dimenhydrinat-Generika H₁-Antihistaminikum / Antiemetikum Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit 50–100 mg p.o./rektal/i.v. alle 6–8 h RS Sedierung! Nicht für Fahrzeugführer. Cave: Prostatahyperplasie, Engwinkelglaukom, Kinder < 2 Jahre
Loperamid Loperamid-Generika, Imodium, Lopedium Opioidrezeptor-Agonist (lokal im Darm) Akute Diarrhö, Reisedurchfall 4 mg initial p.o., dann 2 mg nach jedem Stuhlgang (max. 16 mg/d) RS Cave: Nicht bei blutigem Durchfall / infektiöser Ursache (Erreger nicht eliminieren!). Keine Dauertherapie
❤️ Kardiovaskuläre Medikamente
Nebivolol Nebivolol-Generika, Nebilet Beta-1-Blocker (selektiv) Arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern 2,5–5 mg p.o. täglich (Dauertherapie) Arzt Nicht abrupt absetzen (Rebound-Effekt → Angina!). Cave: Bradykardie, AV-Block, Asthma (relative KI)
Etilefrin Effortil Sympathomimetikum (α+β) Orthostatische Hypotonie, Kreislaufschwäche 5–10 mg p.o. 3 × täglich; 2–5 mg langsam i.v. Arzt Cave: Hypertonie, KHK, Hyperthyreose. Blutdruckkontrolle vor / nach Gabe
Epinephrin (Adrenalin) Suprarenin, EpiPen (Autoinjektor) Katecholamin (Sympathomimetikum, α+β) Anaphylaxie (1. Wahl!), Reanimation (VF/PEA), schwerer Asthmaanfall Anaphylaxie: 0,3–0,5 mg i.m. (Außenseite Oberschenkel) oder EpiPen
CPR: 1 mg i.v. alle 3–5 min
NotSan MITTEL DER WAHL bei Anaphylaxie! RS: EpiPen bei lebensbedrohlicher Anaphylaxie (Delegation). Cave: Herzrhythmusstörungen, Hypertonie
💉 Narkotika, Anästhetika & Muskelrelaxanzien (Ausschließlich Arzt!)
Propofol Propofol-Generika, Disoprivan Intravenöses Anästhetikum / Sedativum Narkoseinduktion, Sedierung auf ITS, Kurznarkose 1,5–2,5 mg/kg i.v. zur Induktion; 4–12 mg/kg/h zur Sedierung Arzt Atemdepression! Immer Beatmungsbereitschaft erforderlich. Cave: Propofol-Infusionssyndrom bei langer Gabe. Keine Milchallergie (Emulsion!)
Thiopental Trapanal Barbiturat-Anästhetikum Narkoseinduktion, Hirndrucksenkung, Status epilepticus (refrakter) 3–5 mg/kg i.v. langsam Arzt BtMVV. Starke Atemdepression! Kreislaufdepression. Stark alkalisch → keine Mischung mit sauren Medikamenten
Lidocain Lidocain-Generika, Xylocain, Xyloneural Lokalanästhetikum / Antiarrhythmikum (Klasse Ib) Lokalanästhesie, Infiltrationsanästhesie, ventrikuläre Arrhythmien Lokal: 1–2 % Lösung; Antiarrhythm.: 1–1,5 mg/kg i.v. Arzt Cave: i.v.-Gabe → ZNS-Toxizität (Krämpfe), Herzrhythmusstörungen bei Überdosierung. Keine i.v.-Injektion ohne Monitoring
Rocuronium Esmeron, Rocuronium-Generika Nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans Rapid Sequence Induction (RSI), chirurgische Muskelrelaxation 0,6 mg/kg i.v. (RSI: 1,2 mg/kg); Relaxation nach ~60 Sek Arzt Antidot: Sugammadex (schnellste Reversierung). Patient kann nicht mehr selbstständig atmen → sofortige Beatmung erforderlich!
🍬 Glucose & Notfallmedikamente
Glucose 40 % Glucose 40 % Braun, Glukose 40 % Fresenius Kohlenhydrat-Infusionslösung Symptomatische Hypoglykämie (BZ < 50–60 mg/dl) 20–40 ml i.v. langsam; bei BZ-Kontrolle nachdosieren RS Nur nach Delegation oder SOP! BZ vor und 15 min nach Gabe messen. Cave: Extravasat → Gewebsnekrose möglich! Kein peripher kleiner Zugang
Nitroglycerin Nitrolingual, Nitro-Spray Organisches Nitrat (Vasodilatator) Angina pectoris, akutes Koronarsyndrom (ACS) 0,4–0,8 mg sublingual (1–2 Hübe); ggf. nach 5 min wiederholen NotSan NUR wenn RR syst. > 100 mmHg! KI: Hypotonie, Rechtsherzinfarkt, Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (Sildenafil/Viagra < 24 h!)
Adrenalin (Reanimation) Suprarenin 1 mg/ml Katecholamin Reanimation (VF, PEA, Asystolie) 1 mg i.v. alle 3–5 min während CPR NotSan Nur während aktiver CPR! Erhöht koronaren Perfusionsdruck. Kein Benefit in randomisierten Studien bezüglich neurologischem Outcome
⚠ Rechtliche Hinweise: RS handeln nach Delegation oder SOP. Ohne explizite Anweisung keine Medikamente verabreichen (außer O₂). Bei Unsicherheit: NotSan / Arzt konsultieren. Dokumentation ist rechtlich bindend! Alle Medikamentengaben im Einsatzprotokoll festhalten.

Dokumentationspflicht Medikamente

Medikamentenname und Wirkstoff
Dosierung und Applikationsweg (p.o., i.v., i.m., s.c., inhalativ, rektal, sublingual)
Exakte Uhrzeit der Gabe
Vitalzeichen vor und nach Medikamentengabe
Wirkung und Nebenwirkungen dokumentieren
Delegierender Arzt / NotSan (Name)

8. Glasgow Coma Scale (GCS)

Die Glasgow Coma Scale dient zur Einschätzung des Bewusstseins. Sie umfasst drei Kategorien: Augen öffnen, verbale Antwort und motorische Reaktion. Die Summe reicht von 3 (tiefes Koma) bis 15 (wach und orientiert).

👁 Augen öffnen

Spontan
4
Auf Ansprache
3
Auf Schmerzreiz
2
Keine Reaktion
1

💬 Verbale Antwort

Orientiert
5
Verwirrt
4
Unzusammenhängend
3
Unverständlich
2
Keine Antwort
1

🤚 Motorische Reaktion

Befolgt Aufforderungen
6
Gezielte Schmerzabwehr
5
Ungezielte Schmerzabwehr
4
Beugesynergismen
3
Strecksynergismen
2
Keine Bewegung
1
📊 GCS-Interpretation:
15 Punkte = Normal — wach und vollständig orientiert
13–14 Punkte = Leicht — leichte Bewusstseinsstörung
9–12 Punkte = Mittel — moderate Bewusstseinsstörung
≤ 8 Punkte = Schwer — Indikation zur Atemwegssicherung (Intubation) 🚨
⚠ Wichtig: GCS muss bei allen bewusstseinsgestörten Patienten ermittelt, mit Zeitangabe dokumentiert und bei der Übergabe kommuniziert werden. Wiederholte Messungen zeigen Veränderungen des Zustands!

9. Schock – Erkennen & Handeln

Schockzeichen

SymptomBefundPathophysiologie
HautBlass, kalt, feucht (kaltschweißig)Zentralisation des Kreislaufs (Vasokonstriktion peripher)
Herzfrequenz (HF)Tachykardie (> 100/min)Kompensatorische Sympathikusaktivierung
Blutdruck (RR)Hypotonie (syst. < 90 mmHg)Dekompensierter Volumenmangel / Herzversagen
Rekapillarisierung> 2 SekundenVerminderte periphere Perfusion
BewusstseinUnruhe, Angst, Apathie, TrübungZerebrale Minderperfusion (Hypoperfusion ZNS)
AtmungTachypnoe (> 20/min), flachRespiratorische Kompensation metabolischer Azidose
UrinproduktionOligurie (< 0,5 ml/kg/h)Renale Minderperfusion → Aktivierung RAAS

RS-Maßnahmen bei Schock

1
Schocklagerung: Beine 15–30° hochlagern, Kopf flach (bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage)
2
Sauerstoff: 10–15 l/min über Reservoirmaske
3
Wärmeerhalt: Rettungsdecke (Folie), Heizung im Fahrzeug, Zugluft vermeiden
4
i.v.-Zugang: Venösen Zugang vorbereiten (für NotSan / Infusion)
5
Monitoring: Vitalzeichen alle 5 Minuten kontrollieren und dokumentieren
6
Transport: Schneller Transport mit NotSan-Begleitung in geeignetes Krankenhaus
🚨 Schock ist immer lebensbedrohlich! Frühe Erkennung und sofortiges Handeln sind entscheidend. Goldene Stunde = das Zeitfenster, in dem die Überlebenschance am höchsten ist.

10. Hygiene, Arbeitsschutz & Rechtliches

Hygienemaßnahmen

Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt (30 Sekunden einreiben)
Einmalhandschuhe bei jedem Patientenkontakt
Bei Infektionsverdacht: FFP2-Maske, Schutzbrille, Schutzkittel (PSA)
Flächendesinfektion nach jedem Einsatz (Fahrzeug, Trage, Equipment)
Sichere Entsorgung von Kanülen (Abwurfbehälter – nie recappen!)
Aufbereitung wiederverwendbarer Instrumente nach RKI-Richtlinien

Rechtliche Grundlagen

RechtsgebietInhaltBedeutung für RS
Rettungsdienstgesetz (RDG)Landesgesetze regeln Ausbildung und EinsatzHandlungsrahmen, Kompetenzen des RS
DelegationÜbertragung ärztlicher Aufgaben auf nichtärztliches PersonalRS darf nur nach Delegation oder SOP handeln
GarantenpflichtRechtliche Pflicht zur Hilfeleistung aus BerufsrolleUnterlassene Hilfeleistung strafbar (§ 323c StGB)
SchweigepflichtSchutz von Patientendaten und ärztlichem BerufsgeheimnisKeine Weitergabe ohne Einwilligung (§ 203 StGB)
EinsatzdokumentationPflicht zur lückenlosen ProtokollierungRechtlich bindend, 10 Jahre aufbewahren
Einwilligung / PVInformed Consent, Patientenverfügung, gesetzl. BetreuungPatient entscheidet selbst über Behandlung
🎯 Fazit: Rettungssanitäter tragen große Verantwortung. Kontinuierliche Fortbildung, Einhaltung von SOPs und rechtskonforme Dokumentation sind essentiell für professionelles und sicheres Arbeiten im Rettungsdienst.

11. Glossar – Fachbegriffe & Abkürzungen

Alle medizinischen Begriffe und Abkürzungen, die in diesem Kompendium verwendet werden. Suchfeld nutzen, um schnell zum gesuchten Begriff zu gelangen.
AF – Atemfrequenz
Anzahl der Atemzüge pro Minute. Normal: 12–20/min (Erwachsene).
ACS – Akutes Koronarsyndrom
Oberbegriff für instabile Angina pectoris, NSTEMI und STEMI. Lebensbedrohliche koronare Durchblutungsstörung.
AED – Automatisierter Externer Defibrillator
Gerät zur automatischen Analyse des Herzrhythmus und Abgabe eines Elektroschocks bei defibrillierbarnem Herzstillstand (VF/VT).
AMI – Akuter Myokardinfarkt
Herzinfarkt durch Verschluss einer Koronararterie mit nachfolgender Herzmuskelischämie / Nekrose.
A. – Arteria (Arterie)
Blutgefäß, das sauerstoffreiches Blut vom Herzen wegführt. Beispiele: A. radialis, A. carotis, A. femoralis.
BLS – Basic Life Support
Grundlegende Reanimationsmaßnahmen: Herzdruckmassage + Beatmung, ohne erweiterte Hilfsmittel.
BtMVV – Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung
Rechtliche Grundlage für Umgang mit Betäubungsmitteln (z. B. Opioide). Strikte Dokumentation und Sicherung.
BVM – Bag-Valve-Mask
Beatmungsbeutel mit Maske. Wird zur manuellen Beatmung bei Atemstillstand genutzt (Beutel-Masken-Beatmung).
BZ – Blutzucker
Glukosekonzentration im Blut. Normalwert nüchtern: 70–100 mg/dl. Kritisch: < 50 oder > 250 mg/dl.
CO₂ – Kohlenstoffdioxid
Abfallprodukt des Zellstoffwechsels, wird über die Lunge abgeatmet. Erhöhung → Hyperkapnie → Azidose.
COX – Cyclooxygenase
Enzym, das Prostaglandine (Entzündungsmediatoren) herstellt. NSAR hemmen COX → Schmerz- und Entzündungshemmung.
CPR – Cardiopulmonale Reanimation
Herzdruckmassage + Beatmung bei Kreislaufstillstand. Ziel: künstliche Aufrechterhaltung der Durchblutung.
COPD – Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
Chronische Atemwegserkrankung mit Verengung der Bronchien. Cave: O₂-Gabe nur mit Ziel-SpO₂ 88–92 %.
EBV – Epstein-Barr-Virus
Erreger des Pfeiffschen Drüsenfiebers (Mononukleose). Cave: Amoxicillin führt hier zu schwerem Exanthem!
EKG – Elektrokardiogramm
Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität. Erkennung von Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt (STEMI).
GCS – Glasgow Coma Scale
Skala zur Bewusstseinsbewertung: Augen öffnen + verbale Antwort + Motorik. Score 3–15.
GERD – Gastroösophageale Refluxkrankheit
Chronischer Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Behandlung u. a. mit PPI (Omeprazol, Pantoprazol).
HF – Herzfrequenz
Herzschläge pro Minute. Normal: 60–100/min. Tachykardie: > 100/min. Bradykardie: < 60/min.
HRS – Herzrhythmusstörung
Abweichung vom normalen Herzrhythmus. Relevant: VF (Kammerflimmern), VT (Kammertachykardie), Brady-/Tachykardien.
HWI – Harnwegsinfekt
Bakterielle Infektion des Harntrakts (Blase = Zystitis, Niere = Pyelonephritis). Behandlung mit Antibiotika.
HWZ – Halbwertszeit
Zeitspanne, in der sich die Konzentration eines Medikaments im Blut um 50 % verringert.
HZV – Herzeitvolumen
Menge Blut, die das Herz pro Minute pumpt. Normal: ~5 l/min. Bei Schock deutlich reduziert.
i.m. – intramuskulär
Injektion direkt in den Muskel (z. B. Oberschenkel, Deltamuskel). Anwendung: Adrenalin bei Anaphylaxie.
i.v. – intravenös
Direkte Injektion / Infusion in eine Vene. Schnellster Wirkungseintritt der meisten Medikamente.
isokor
Pupillen gleich groß. Anisokorie = ungleich große Pupillen (Hinweis auf Hirnläsion).
ITS – Intensivstation
Intensivtherapiestation für schwerstkranke Patienten mit kontinuierlichem Monitoring und intensiver Pflege.
KHK – Koronare Herzkrankheit
Erkrankung der Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose. Kann zu Angina pectoris und Herzinfarkt führen.
KI – Kontraindikation
Umstand, der die Anwendung eines Medikaments oder einer Maßnahme verbietet oder einschränkt.
KT – Körpertemperatur
Messung der Körperkerntemperatur. Normal: 36–37,5 °C. Hypothermie: < 35 °C. Fieber: > 38 °C.
Larynx
Kehlkopf. Teil des oberen Atemwegs. Enthält Stimmlippen. Wichtig für Atemwegssicherung (Intubation).
MAO-Hemmer
Monoaminooxidase-Hemmer. Antidepressiva. Cave: Serotonin-Syndrom bei Kombination mit Tramadol/SSRIs.
NaCl – Natriumchlorid
Kochsalz. NaCl 0,9 % = isotone Kochsalzlösung. Standardinfusionslösung im Rettungsdienst.
NRS – Numerische Rating-Skala
Schmerzskala 0–10 (0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz). Standardisierte Schmerzmessung.
NSAR – Nichtsteroidale Antirheumatika
Schmerzmittelgruppe (Ibuprofen, ASS, Diclofenac). Hemmen COX-Enzyme. Wirken analgetisch, antipyretisch, antiinflammatorisch.
NSTEMI
Non-ST-Segment-Elevation Myocardial Infarction. Herzinfarkt ohne ST-Hebung im EKG. Diagnose über Troponin.
NotSan – Notfallsanitäter
Rettungsdienstpersonal mit 3-jähriger Ausbildung. Höhere Kompetenzen als RS; darf eigenverantwortlich handeln.
O₂ – Sauerstoff
Medizinischer Sauerstoff. Wichtigstes Medikament im Rettungsdienst. RS darf es ohne Delegation verabreichen.
OTC – Over the Counter
Rezeptfrei erhältliche Medikamente (z. B. Paracetamol, Ibuprofen 400 mg, Bepanthen).
p.o. – per os
Einnahme durch den Mund (oral). Langsamster Wirkungseintritt, aber einfachste Applikationsform.
PEA – Pulslose elektrische Aktivität
EKG zeigt Herzaktivität, aber kein Puls tastbar. Häufige Ursache: 4H/4T (Hypoxie, Hypovolämie, Tamponade, etc.).
PPI – Protonenpumpeninhibitor
Magensäureblocker (Pantoprazol, Omeprazol). Hemmen die Magensäureproduktion. Behandlung von Ulkus, GERD.
PSA – Persönliche Schutzausrüstung
Schutzkleidung für Rettungsdienstpersonal: Handschuhe, Maske, Brille, Schutzkittel, Helm.
PTBS – Posttraumatische Belastungsstörung
Psychische Erkrankung nach traumatischen Ereignissen. Behandlung: SSRI (Sertralin), Traumatherapie.
RAAS – Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
Hormonsystem zur Blutdruckregulation. Aktiviert bei Volumen-/Druckmangel → Flüssigkeitsretention.
RKI – Robert Koch-Institut
Bundesbehörde für Infektionskrankheiten. Gibt Hygienerichtlinien für medizinische Einrichtungen heraus.
ROSC – Return of Spontaneous Circulation
Wiederherstellung des Spontankreislaufs nach CPR. Erkennbar: Puls tastbar, EtCO₂-Anstieg, Blutdruckmessung möglich.
RR – Blutdruck (nach Riva-Rocci)
Blutdruckmessung. Angabe: Systolisch / Diastolisch (z. B. 120/80 mmHg). RR syst. = oberer Wert.
RSI – Rapid Sequence Induction
Blitzintubation mit schnell wirkenden Anästhetika (Propofol/Thiopental) + Muskelrelaxans (Rocuronium/Succinylcholin).
s.c. – subkutan
Injektion unter die Haut (Unterhautfettgewebe). Anwendung: Insulin, Heparin. Langsamer Wirkungseintritt als i.v.
SBAR-Schema
Strukturierte Übergabeform: Situation – Background – Assessment – Recommendation. Minimiert Informationsverlust.
SOP – Standard Operating Procedure
Standardarbeitsanweisung. Regelt Abläufe und Medikamentengaben im Rettungsdienst ohne individuelle Delegation.
SpO₂ – Periphere Sauerstoffsättigung
Pulsoximetrisch gemessene O₂-Sättigung des Hämoglobins. Normalwert: 95–100 %. Kritisch: < 90 %.
SSRI – Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
Antidepressivum-Klasse (Sertralin, Fluoxetin). Erhöht Serotoninkonzentration im Gehirn.
STEMI
ST-Elevation Myocardial Infarction. Herzinfarkt mit ST-Hebung im EKG. Sofortige PCI oder Lyse erforderlich.
Sternum
Brustbein. Druckpunkt für Herzdruckmassage: untere Hälfte des Sternums, Mitte der Brust.
Stridor
Pfeifendes Atemgeräusch durch Verengung der Atemwege. Inspiratorischer Stridor: obere Atemwege. Exspiratorisch: Asthma.
Tachykardie
Herzfrequenz > 100/min. Häufige Ursachen: Fieber, Schmerz, Hypovolämie, Herzerkrankungen.
Tachypnoe
Atemfrequenz > 20/min. Häufig bei Schmerzen, Angst, Hypoxie, Sepsis, metabolischer Azidose.
Trachea
Luftröhre. Verbindet Larynx mit den Bronchien. Tubus wird in Trachea eingeführt (Intubation).
V. – Vena (Vene)
Blutgefäß, das O₂-armes Blut zum Herzen zurückführt. V. mediana cubiti = bevorzugter i.v.-Zugang.
VF – Kammerflimmern (Ventricular Fibrillation)
Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Herz zittert unkoordiniert, kein Puls. Therapie: Defibrillation!
ZNS – Zentralnervensystem
Gehirn und Rückenmark. Lidocain-Toxizität äußert sich primär in ZNS-Symptomen (Krämpfe, Bewusstsein ↓).
Zyanose
Bläuliche Verfärbung von Haut / Schleimhäuten durch O₂-Mangel. Zeichen kritischer Hypoxie.
Anaphylaxie
Schwerste allergische Reaktion (Grad III–IV). Lebensbedrohlich! Therapie: Epinephrin i.m. (1. Wahl!).
Azidose
Versäuerung des Blutes (pH < 7,35). Bei Schock, Atemversagen oder metabolischen Erkrankungen.
Bradykardie
Herzfrequenz < 60/min. Symptomatisch wenn < 40/min. Ursachen: AV-Block, Sick-Sinus-Syndrom, Medikamente (Betablocker).
Defibrillation
Elektrotherapie bei VF/VT. Gezielter Stromschock beendet unkoordinierte Herzaktivität und ermöglicht ROSC.
Exsanguination
Verbluten. Lebensbedrohlicher Blutverlust (> 30–40 % des Blutvolumens). Erste Priorität im xABCDE-Schema.
Extravasat
Austritt von Infusionslösung ins Gewebe (paravaso). Bei Glucose 40 %: Gefahr von Gewebsnekrosen.
Guedel-Tubus
Oropharyngealer Atemwegshilfe (OPA). Verhindert Zurückfallen der Zunge. Nur bei fehlendem Würgereflex.
Hypovolämie
Vermindertes Blut-/Flüssigkeitsvolumen. Häufigste Schockursache. Therapie: Volumengabe, Blutungsstillung.
Hypoglykämie
Niedriger Blutzucker (< 60 mg/dl). Symptome: Schweiß, Zittern, Bewusstseinsstörung. Therapie: Glucose.
Hypothermie
Körperkerntemperatur < 35 °C. Gefahr: Herzrhythmusstörungen, CPR-Problematik. Wärmeerhalt essentiell!
Ischämie
Mangeldurchblutung eines Gewebes. Bei Herzinfarkt: Herzmuskelischämie. Bei Schlaganfall: zerebrale Ischämie.
Oligurie
Verminderte Urinausscheidung (< 0,5 ml/kg/h oder < 400 ml/d). Schockzeichen bei renaler Minderperfusion.
Pharynx
Rachen. Kreuzung von Atem- und Verdauungsweg. Guedel-Tubus und Absaugkatheter werden hier platziert.
Proximal / Distal
Proximal = körpernah. Distal = körperfern. Tourniquet wird proximal der Blutungsquelle angelegt.
Rekapillarisierung
Zeit bis zur Wiederfüllung der Kapillaren nach Druck auf Fingernagel. Normal: < 2 Sek. Bei Schock: > 2 Sek.
Serotonin-Syndrom
Gefährliche Überdosierung von serotonergen Substanzen. Symptome: Hyperthermie, Tremor, Krämpfe, Koma.
Tourniquet
Abbindung (Stauschlauch / Combat Application Tourniquet). Stoppt unkontrollierbare Extremitätenblutungen.
Thoraxexkursion
Sichtbare Brustkorbbewegung bei der Atmung. Fehlende/asymmetrische Exkursion → Pneumothorax?, Intubation?
Urtikaria
Nesselsucht / Quaddelbildung der Haut. Häufiges Zeichen allergischer Reaktion. Therapie: Antihistaminika.
Vasodilation / Vasokonstriktion
Erweiterung / Verengung der Blutgefäße. Schock: Vasokonstriktion peripher (Zentralisation). Nitro: Vasodilation.